martin schlotz . gefäße aus ton

 

Preis für Gefäßkeramik Offenburg 1999

Begründung der Jury:

Martin Schlotz verleiht den Gefäßen durch den äußeren sparsamen Umgang mit formalen Mitteln Ruhe und Geschlossenheit: Farbe des Tons, Beschränkung der Gesamtform auf Doppelzylinder, klare Gliederung. Dies alles gipfelt im Überfangen mit der Krakeleeglasur, die wiederum in sich reduziert ist auf fein differenzierte Graustufen. Der Keramiker zeigt bewußt den roten Scherben, setzt ihn scharf und dennoch wohl proportioniert gegen die Glasur ab. Die dadurch entstandenen, schräg verlaufenden Glasurränder schaffen ein zusätzliches Spannungsgefüge. Die Jury bewundert den harmonischen Zusammenklang von Glasur und Form. Von den Gefäßen gehen Ruhe, Stille und Einkehr aus. Sie verleihen den Arbeiten eine ganz eigene Dimension von Größe und Wertigkeit. Durch den sparsamen Einsatz von Kanten und Abbrüchen entwickelt sich eine unaufdringliche Horizontalgliederung, die den Vertikalzug der Gefäße auffangen und zu einem Gleichmaß führen, das wiederum dem monolithischen Charakter der Arbeiten zu gute kommt. Die Arbeiten von Martin Schlotz sind Statements von Gefäßen. Sie lassen sich nicht nur reduzieren auf Gewicht, Dicke und Massivität. Diese Elemente wirken vielmehr als Multiplikatoren auf das Grundelement “Ruhe”, sie stärken die Kraft und Sicherheit, ohne daß dabei die Arbeiten in ihrer Gesamtheit die ihnen eigene Dynamik verlieren. Es ist die formale Strenge der Arbeiten, die besticht. Der monumentale Charakter der Gefäße, die Zusammenfassung auf das wesentliche, hat nichts mit ihren Abmessungen zu tun. Raum und Inhalt verschmelzen zu einer unlösbaren Einheit.

Mitglieder der Jury: Michael Friedmann, Uwe Löllmann, Harald Rosmanitz, Rudi Rothenberger, Barbara Stehr